Der westlichen Zivilisation hat es tiefgründige Probleme bereitet, Kopf und Hand miteinander zu verbinden und das Streben nach handwerklichem Können anzuerkennen und zu fördern. Ausdrücke wie 'handwerkliche Fertigkeiten' oder 'handwerkliche Orientierung' lassen vielleicht an eine Lebensweise denken, die mit der Entstehung der Industriegesellschaft verschwunden ist. Doch das wäre falsch. Sie verweisen auf ein dauerhaftes menschliches Grundbestreben: den Wunsch, eine Arbeit um ihrer selbst willen gut zu machen. Und sie beschränkt sich keineswegs auf den Bereich qualifizierter manueller Tätigkeiten. Fertigkeiten und Orientierungen dieser Art finden sich auch bei Programmierern, Ärzten und Künstlern. Selbst als Eltern oder Staatsbürger können wir uns verbessern, wenn wir diese Tätigkeit mit handwerklichem Geschick ausüben. Bei jedem guten Handwerker stehen praktisches Handeln und Denken in einem ständigen Dialog. Dadurch entwickeln sich dauerhafte Gewohnheiten. Diese führen zu einem ständigen Wechsel zwischen dem Lösen und dem Finden von Problemen. (Richard Sennett (2008): Handwerk)
